Meine Weide für die seltenen Schafe wird grösser. Mein Log Cabin Projekt nimmt Gestalt an. Im letzten Blogpost habe ich die Konstruktion erklärt, jetzt ein paar Worte zu den Garnen. Denn diese stehen am Anfang der ganzen Geschichte.

Seit zwei Jahren sind wir als zufriedene Rentner unterwegs. Im ersten Jahr ein bisschen überall auf der Welt, im zweiten dann ausschliesslich in Europa. Immer wieder waren wir in Gebieten mit vielen Schafen: in Neuseeland (da gehören sie sozusagen zur Landschaft), im Norden Norwegens (wo sie ganze Inseln vor der Verbuschung schützen) oder in England, überall unweit der Autobahnen oder Zugstrecken.

Wenn mein Schwiegervater weidende Schafe sieht, sieht er vor seinem geistigen Auge „Forikol“, ein norwegisches Gericht, das wir in der Schweiz „Hafechabis“ nennen: Lamm/Schaffleisch mit Kohl.  Ich mag das zwar auch, aber mein geistiges Auge sieht: Pullover!  Ich schaue Schafe an und beurteile ihr Fell nach Farbe und Länge. Dabei sind die normalen weissen Schafe eher uninteressant, mir gefallen die braunen, schwarzen, gefleckten und zotteligen Exemplare.

Eines Tages, ich hatte soeben die Wolle für eine Babyjacke ausgesucht, sah ich in einem kleinen Wollladen auf der Insel Doenna, wo die Familie meines Mannes ein Haus am Meer hat, ungefärbte Wolle von Schafen, die auf dieser Insel weiden: in Hell- und Dunkelgrau/Schwarz. Die musste ich haben.

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Und das war der Start meiner Garn-Sammlung. Mehr Garne aus Norwegen kamen dazu. England ist ein Wollland. Da hüpft mein Herz bei Fahrten über Land: so viel „Pullover“ auf der Weide. Und viele kleine Betriebe/Farmen bieten ungefärbte Wolle online oder an Wollfestivals an. Ob es das auch in der Schweiz gibt? In vielen Alpentälern werden doch alte Schafsrassen gehalten. Und tatsächlich habe ich online Wolle von Pro-Specie-Rara-Tieren gefunden: Lana Rara heisst sie. Als ich 2016 Neuseeland war, faszinierten mich die Wollgemische mit Opossum-Haar, die ungefärbten Garne waren noch nicht auf meinem Radar. Aber jemand hat mir von einem Urlaub in Down Under ein paar 100 Gramm ungefärbte Merinowolle mitgebracht, in Weiss und fast Schwarz.

Und dies ist meine stolze Sammlung per heute

  • Norsk Kvit Sau and Blæset Sau, von der Insel Doenna in Nordnorwegen (Dønna-Sau)
  • Lammwolle Vilje (Hillevsåg Ullvarenfabrikk)
  • Saaser Mutten und andere Pro-Specie-Rara-Schafe aus den Walliser und Bünder Bergen (Lana Rara, Swiss Rare Wool)
  • Romney Schafe in Kent, England (Romney Marsh Wools)
  • Cheviot, Hebridean und Zwartbles von der Hebriden-Insel Grimsay, Schottland (Uist wool)
  • Merino aus Neuseeland (Naturally)

Und all dies verarbeite ich nun zu einer Decke. Was sich einfacher anhört, als es ist. Jedes Garn hat seine eigene Dicke (viele Maschenproben!) und verhält sich manchmal so störrisch wie das Tier, von dem es stammt. Ein Garn will auf dem Finger nicht gleiten, so dass es in meinen Zeigefinger einschneidet. Ein Garn überrascht immer mal wieder mit ganz dünnen oder dicken Stellen. Ein Garn sieht zwar gut aus, glatt rechts oder kraus gestickt, aber im Perlmuster wirkt es einfach nur flach. Aber ich stricke ja Log Cabin, da ist Improvisation normal.

Gestern habe ich mit dem zweiten von wahrscheinlich vier grossen Blöcken begonnen.

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Zum Schluss noch ein Rätsel: Was stellt das Rechteck ganz oben mit dem Muster in Schwarz und hellgrau dar? Die Lösung ist in diesem Blogpost versteckt.

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